
Was für ein Tag. Angekommen in Benicarlò, anders als geplant, aber angekommen. Insgesamt bin ich heute 141km gefahren, geschoben und hab das Rad getragen. Man hört schon, normal war das nicht.
Ich bin wirklich stolz heute durchgezogen zu haben. Die Umstände haben das wirklich nicht voraus ahnen lassen.
Es ging schon komisch los in der Nacht. Ich hab heute Nacht nur geschwitzt in meinem Zelt. Das Wetter war so drückend, und mein Körper hat glaub ich gekämpft, mich wieder für den nächsten Morgen herzustellen. Zudem hat es einmal leicht genieselt und die Geschichte mit Miloš, ist mir immer noch im Kopf gewesen. Jedes mal als ich aufgewacht bin , hab ich nach meinen Wertsachen geschaut. Ich hab erst richtig geschlafen , als es wieder hell war. Darum ging's dann heute erst kurz nach 9 Uhr in den Sattel. Und ich hab sofort gemerkt, heute ist Buttermilch in den Beinen. Vom ersten Tritt an bin ich nicht in Schwung gekommen. In Tarragona bin ich direkt zum Aldi , um mein Frühstück und Tagesproviant zu besorgen. In der Hoffnung nach dem Frühstück wird es besser. Ich hab sogar Brezen entdeckt! Aber bei weiten nicht das , was man sich unter Breze vorstellt.
Leider hat das alles nichts gebracht. Ich hab mich langsam Tritt für Tritt voran gekämpft, mich gegen den Gegenwind gestemmt, aber so richtig wollten die Kilometer auf dem Tacho nicht fallen. Eine Extrem zähe Geschichte und dann immer durch Städte und Promenaden mit dauernd anhalten und wieder anfahren und dummen Touristen ausweichen. Irgendwann hab ich vor Verzweiflung einfach mal meine Reifen aufgepumpt, man weis ja nie , an was es liegen kann. Leider hat das auch nicht geholfen. Mein Kopf hat heute morgen auch nicht richtig mitgespielt, und es kamen Themen auf: wie kann man das schaffen. Ich bin so müde. Es ist noch viel zu weit.
Um 12 Uhr, wo ich meist so 60km auf dem Tacho hab. Waren es heute 32km obwohl alles flach war bis dahin.
Zusätzlich hat mir die Routenführung echt Sorgen bereitet, wo mich das Navi langgeschickt hat manchmal war schon abenteuerlich. Außerdem wurde der Tourismus immer weniger und das bedeutet auch weniger Straßen.
Auf meiner Strecke verlief die Autobahn A7 und die Bahngleise direkt nebeneinander und laut Navi solllte ich heute dort entlang fahren. Aus der Erfahrung der letzten Tage schwante mir schon übles. Das sind meist nur Behelfswege und nicht mit dem Rad passierbar. Zudem kann ich nicht einfach die Seiten wechseln, weil ich eine Brücke oder Unterführung über Gleise und Autobahn brauche. Also wenn ich einen Weg einschlage muss es sitzen , sonst muss ich zurück. Das ist mir heute auch einige mal passiert. Und ich hätte ausflippen können. Wie doof kann man sein ein Sackgassenschild zum Beispiel hinter die Unterführung zu machen wo die Sackgasse schon ist und nicht davor damit man gar nicht erst den Berg runter fährt!!!
Weiter gab's auch manchmal kein zurück und ich musste mein Rad über brutal steile Geröll Felder schieben. Bei einem Abstieg bin ich schon fast umgefallen. Danach wollte ich auf der anderen Seite , wo es genauso hoch und steil war nicht rauf. Mein Navi sagte nämlich es gibt eine Unterführung auf die andere Seite und dort sollte ein Weg entlang führen, für mehrere Kilometer. Also Licht an und in ein dunkles Loch hinein, wo man den Ausgang noch gar nicht sieht. Hoffentlich liegen hier nicht irgendwelche Penner rum, dachte ich mir. Total dumm, am Arsch der Welt. Als ich so durchrollte konnte ich langsam den Ausgang erkennen und da ist es passiert. Es zog mir einfach den Boden unter den Füßen weg. Ich hab einen sauberen Abgang über meinen Lenker gemacht und mein Fahrrad viel auf mich drauf. Die haben einfach den Boden aufgehört zu betonieren und dadurch ist eine 40cm Stufe entstanden, die ich nicht gesehen hab, weil mich der Ausgang so geblendet hat. Da lag ich nun an der Wand unter meinem Fahrrad in einer Unterführung, am Ende der Welt . Ich hab mich erst mal aus lauter Schock aufgerappelt und bin aus dem dunklen geflohen. Im Licht des Ausgangs hab ich erst mal gecheckt , ob noch alles dran ist an mir und dem Rad. Zum Glück hat sich nur der Lenker um 60° verdreht was aber weiter kein Problem ist und ich ihn einfach wieder einstellen konnte. Nach dem Ausgang sollte ich laut Navi direkt nach rechts auf einen Weg gelangen. Nichts als eine Felswand 20m hoch war da. Was für eine Scheiße hat da jemand in Komoot zusammen gestellt. Der das gemacht hat den gehören die Ohren lang gezogen. Hier wird niemals ein Weg sein. Also nach rechts konnte ich nicht , also bin ich links einem Trampelpfad gefolgt und nach 30m stand Ich mit dem Rad direkt an der Fels- kante zum Meer. Unten hat eine Familie sich in der Sonne gebadet, auf ihren privaten Strand sozusagen. Also alles wieder zurück, das hier war kein Ort für Fahrräder. Also wieder durch die Unterführung. Diesmal aber geschoben. Danach einen Sau steilen Anstieg über Geröll hoch und nochmal auf der anderen Seite wieder runter, damit ich laut Navi eine andere Unterführung erreiche und mein Weg nach rechts weiter gehen kann. Gott war ich durch . Schock , Anstrengung. alles zusammen, hatte mich ganz schön an der Grenze. Da hab ich erst mal gegessen und mein Fahrrad gerichtet. Bevor es dann durch diese Unterführung ging und wieder auf der anderen Seite nur direkt Strände waren. Super schön zwar und geheim. Viel besser als das an den Promenaden dieses Landes. Aber es gab wieder kein weiterkommen.
Wer diese Tour in Komoot bereit gestellt hat, hat das sicher selbst nicht gefahren sonst würde solche Probleme einfach nicht geben. Also auch hier wieder zurück, dann eine steile betonierte Rampe hoch und dann 3 km Umweg, weil ich sowas von die Schnauze voll hatte von dem ganzen Scheiß!!!
Ab diesem Zeitpunkt hab ich mir geschworen ich schau mir die Route genau an bevor ich wieder auf so eine Kacke herein falle. Da hätte ich einfach die Bundesstraße N340 nehmen können und hätte weniger Probleme gehabt. Aber mein weg sollte ja kürzer sein und mir 10km sparen. Dafür hab ich unendlich viel mehr Energie verbraucht. So eine Scheiße!!!
Irgendwie hat das ganze in mir aber das jetzt erst Recht Zentrum im Gehirn angesprochen. Ab diesem Zeitpunkt hab ich beschlossen ich bleib heute auf der Bundesstraße und werde nur von Autos umringt sein, aber dafür komme ich auch bisschen voran. Von da an ging's langsam aufwärts. Mein Kopf hat wieder mitgespielt. Jetzt erst Recht! Und dadurch gingen die Beine auch wieder voran. Zusätzlich noch eine Tafel Schokolade und 1l Eistee für die letzten 50km und es lief. Naja der Gegenwind hat es nicht laufen lassen, aber ich hab gekämpft wie ein Großer! Das war wirklich eine krasse Energieleistung die ich die letzten 3 Std. abgeliefert habe. Darauf bin ich mächtig stolz. Vor allem weil mir heute die Natur und die Strecke und Spanier ganz schön einen Haken verpasst haben. Trotzdem hab ich durchgezogen unter diesen Umständen.
Nachdem ich jetzt im Pool war. Mein Sieges Fanta getrunken habe und ordentlich gegessen habe, ist das alles wieder halb so wild und fast schon vergessen. Es werden auch wieder andere Tage kommen.
Meine Hängematte hab ich heut das erste mal mit aufspannen können. Es ist einfach nur wahnsinnig geil! Und ich liege drin während ich diese Zeilem schreibe. Da lässt sich gut erholen drin! Und ich bin raus aus dem Dreck und hab eine Sitzgelegenheiten! Das Feier ich heute.
Wir feiern heute Bergfest. Ich hab über die Hälfte hinter mich gebracht und werde vermutlich hinter Valencia einen Pausetag einlegen. Valencia sollte ich morgen erreichen.
Jetzt werde ich meine Wunden lecken, neue Kraft sammeln, und morgen weiter machen.






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Roswitha Herrmann (Dienstag, 08 August 2023 22:17)
Hallo Stefan, ich ziehe meinen Hut vor deiner Leistung. Ich wünsche dir das Alles klappt und du wieder gesund nach Hause kommst. Die restlichen Kilometer sind bestimmt nicht mehr so anstrengend, du hast das Ziel fast schon vor Augen.
Liebe Grüße aus dem verregneten Burgsalach.
Willi (Dienstag, 08 August 2023 23:31)
Horror! Zum Glück ist Dir bei dem Sturz nichts passiert!!!���
Stivi (Mittwoch, 09 August 2023 14:36)
Vielen Dank Roswitha, ich komm gesund zurück . Dafür sorge ich schon. Mögen die Winde endlich drehen und mich näher ans Ziel tragen.